Seit seiner Gründung ist das Ensemble L’ART POUR L’ART damit befasst, Vermittlungskonzepte zeitgenössischer Musik zu entwickeln und arbeitet daran, mit regelmäßig stattfindenden über das ganze Jahr verteilten Veranstaltungen in den Räumen der eigenen Arbeitsstätte zu einem inspirierenden Geistesleben beizutragen.
L’ART POUR L’ART befasst sich in der Vermittlungsarbeit am Beispiel der niedersächsischen Stadt Winsen mit der Frage, was ein Ort braucht, um (nicht nur) kulturelle Heimat zu sein; eine Heimat, die nur dann eine solche genannt werden kann, wenn ein Sich-Zurechtfinden, ein Aufgehoben-Sein mit Irritation und Überraschung, mit der produktiven Aushebelung des unbewusst gewordenen Gewohnten korreliert, um lebendig zu bleiben.
Das Hören gegenwärtigen Musikschaffens hat mit unmittelbarer Lebenserfahrung zu tun. Die Musik kann als Schnittpunkt der Kommunikation erlebt werden.
Ein altes Forsthaus, eigenwillig ausgebaut und mit seinem gesamten Anwesen in einem Zustand des zauberhaften „Work in Progress“, beherbergt nun zeitgenössische Musik, aus der Programme bewusst ausgewählt werden, die in diesem Rahmen ein besonderes Potential entwickeln. Dieser Umstand ermöglicht Projektionsfläche, Denk-Räume, Verwunderung und Skepsis, Zutrauen zum eigenen Ideenvermögen, neue Perspektiven, Berührung und Licht im Kopf.
Durch Querverbindungen zu anderen Künsten, Wissenschaft und Wirtschaft stellen sich ein neuer Dialog und ein veränderter Blick aufs Eigene her, eine Situation, die für alle Anwesenden eine große Bereicherung darstellt.
So berichten in Doppel-Veranstaltungen Persönlichkeiten, die entweder am Rand der Musikausübung stehen oder aus nicht-musikalischen Berufen der Wissenschaft und Wirtschaft stammen, darüber, welche sinnlichen Wahrnehmungen in ihrer Arbeit zu sachlichen Ergebnissen beitragen, welche Entscheidungen und Strategien über die Sinne entwickelt werden, über akustische, visuelle und haptische Untersuchungsmethoden, darüber, inwieweit die Sinne als Wegweiser fungieren.
Im Gespräch mit L’ART POUR L’ART wird gezeigt, wie ein Musiker Töne, Formen und Erscheinungen wahrnimmt, wie aus ihnen potentiell musikalisches Material erwachsen kann, welche Wesensmerkmale nicht-musikalischer Berufe als Bausteine ebenfalls in der Musik eine Rolle spielen.
Diese Gesprächssituation bezieht sehr schnell das Publikum mit ein, so dass eine Interaktion zwischen „Bühne“ und „Saal“ entsteht.
Für das sodann folgende Konzert ist ein Programm ausgewählt, das mehr oder weniger sublimiert auf das Gehörte Bezug nimmt, es auf eine poetische Ebene erhebt. Das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Berufe mit ihren naturgemäß so verschiedenen „Sinnes-Nutzungen“, Wahrnehmungsweisen und Untersuchungsmethoden gewährt nicht nur einen spannenden Einblick in die jeweils andere Berufs- und Lebensrealität, sondern schafft geradezu eine Atmosphäre der Überraschung: die bestens funktionierende Kommunikation zwischen Podium und Publikum hebelt die isolierende Hörgewohnheit aus und öffnet die Ohren für die Musik auf noch nicht gekannte Weise. Die Zuhörer bleiben frei darin, die Brücken selbst zu schlagen und eigene Assoziationen zu entwickeln; Denken wird durch Phantasie gespeist.
Die Qualität der Begegnung weist weit über die Musik hinaus.
ZuHören in Winsen ist ein visionäres Projekt, gleichzeitig ermöglicht die Reihe Tradition und Bindung; sie ist in sich beweglich durch die unterschiedlichen Programme, aktuellen Themen, überraschenden Aufführungsformen (soweit der Ort es zulässt), unterschiedlichen Besetzungen und interessanten Referenten. Es ist, als erscheine dieser Kulturraum unter immer anderer Beleuchtung.
Since its founding, the ensemble L’ART POUR L’ART has been engaged in developing concepts for communicating contemporary music and works to contribute to an inspiring intellectual life by holding regular events throughout the year at its own premises.
L’ART POUR L’ART uses the example of the Lower Saxony town of Winsen to explore the question of what a place needs in order to be (not only) a cultural home; a home that can only be called such if finding one's way, feeling at home, correlates with irritation and surprise, with the productive undermining of the unconscious habitual, in order to remain alive.
Listening to contemporary music has to do with immediate life experience. Music can be experienced as an intersection of communication.
Cross-connections to other arts, science, and business give rise to a new dialogue and a changed view of one's own field. In double events, personalities who are either on the fringes of music-making or come from non-musical professions in science and business report on the decisions and strategies developed through the senses, on acoustic, visual and haptic research methods, and on the extent to which the senses act as guides.
In conversation with L’ART POUR L’ART, we see how a musician perceives sounds, forms and appearances, how they can potentially develop into musical material, and which characteristics of non-musical professions also play a role in music as building blocks.
This conversation quickly involves the audience, creating interaction between the ‘stage’ and the ‘auditorium’.
For the concert that follows, a programme has been selected that refers more or less sublimely to what has been heard, elevating it to a poetic level. The encounter between different professions not only provides an exciting insight into each other's professional and personal lives, but also creates an atmosphere of surprise: the excellent communication between the panel and the audience breaks down the isolating habit of listening and opens the ears to music in a way that has never been experienced before. The listeners remain free to build bridges themselves and develop their own associations; thinking is fuelled by imagination.
The quality of the encounter extends far beyond the music. ZuHören in Winsen is a visionary project, yet at the same time the series fosters tradition and connection; it is flexible thanks to its varied programme, topical themes, surprising performance formats (as far as the venue allows), diverse casts and interesting speakers. It is as if this cultural space is constantly being illuminated in new ways.